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Fallender Goldpreis

21. Februar 2013

Der Goldpreis ist im Februar deutlich gefallen.

Goldpreis 99-12

Die Charttechniker sprechen bei dieser Formation von einem „Todeskreuz“ (engl. Death Cross, Definition siehe weiter unten). Die Aussage ist: Der Preisverfall geht aller Voraussicht nach weiter.

Aus charttechnischer Sicht steht nun eine wichtige Bewährungsprobe an, schließlich dürfte ein nachhaltiger Rutsch unter die bei 1.550 Dollar verlaufende Unterstützungszone neue chartinduzierte Verkäufe generieren. Timingindikatoren wie der Relative-Stärke-Index zeigen allerdings mit aktuell 22 % eine eindeutig überverkaufte Lage an. Die Chance auf eine technische Gegenbewegung ist somit relativ groß, zumal die fundamentalen Probleme der Finanzwelt immer noch nicht gelöst sind und daher Gold als sicherer Hafen attraktiv erscheinen lassen.

Aber es scheint auch fundamentale Gründe zu geben, warum der Goldpreis rückläufig ist. Im Grunde kommt es auf zwei Dinge an, die in Form von Charts gut dargestellt werden können. Erstens die Realzinsen. Wenn die Realzinsen extrem niedrig sind oder fallen, dann ist das gut für den Goldpreis. Und es gibt einen intuitiven Grund dafür: Niedrige Realzinsen bedeuten, dass der Investor nicht viel dafür bezahlt bekommt sein Bargeld anzulegen. Wenn man also keine Zinsen bekommt, warum nicht in Gold investieren?

Nachfolgendes Diagramm zeigt, dass Gold in den letzten Jahren das Spiegelbild der 10-jährigen TIPS (inflationsbereinigt Anleihen) Rendite war. Jetzt, da die Realzinsen wieder zu steigen beginnen, zeigt Gold Schwäche.

Gold TIPS

Der andere große Treiber des Goldpreises ist die Angst. Wenn die Menschen in Panik sind, sagt ihnen etwas in ihrem Gehirn, Gold zu kaufen. Deshalb wird Gold schon lange als eine quasi-Währung angesehen.

Eine gute Möglichkeit dies zu demonstrieren, ist indem man den VIX-Index (misst die Angst des Marktes; auch bekannt als das Angstbarometer) mit einem Verhältnis von Gold zu Öl vergleicht. Das Gold/Öl-Verhältnis erfasst das Verhältnis zwischen einem „unproduktiven“ glänzenden Metall und einer nützlichen Ware, die in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs profitieren sollte. Wenn die Menschen ängstlich sind, sind sie bereit mehr für das unproduktive Metall zu bezahlen und vernachlässigen Öl. Wenn die Menschen jedoch weniger Angst haben und positiver gestimmt sind, werden sie sich vermehrt fragen, warum in einem zinslosen Metall investiert sein, wenn sie Öl in der Welt verkaufen können?

Der nachfolgende Chart zeigt den Zusammenhang: Der VIX (rot) ist fast perfekt ausgerichtet mit dem Gold/Öl-Verhältnis (blau).

Gold Öl VIX

Folglich stehen der Anstieg der Realzinsen und der Zusammenbruch der Angst hinter dem Kursverfall in Gold.

Jetzt stellt sich die Frage, ob der Rückgang der Angst berechtigt ist und wenn ja für wie lange? Sind alle Probleme der Eurozone gelöst? Welchen Einfluss kann die Wahl in Italien darauf nehmen?

Außerdem ist derzeit zu bezweifeln, dass wir kurzfristig vor deutlich steigenden Zinsen stehen. Die Notenbanken machen Geldpolitik für niedrige Zinsen und die hochverschuldeten Staaten in der Welt haben kein Interesse an steigenden Zinsen.

Anlageempfehlung: Gold nach diesem starken Rückgang bei ersten Anzeichen von Bodenbildung kaufen.

Definition von Todeskreuz: In der technischen Analyse handelt es sich beim Todeskreuz vereinfacht ausgedrückt um den Schnittpunkt zweier gleitender Durchschnitte. Nehmen wir beispielsweise Gold und hier zum einen den 50-tägigen gleitenden Kursdurchschnitt und zum anderen den 200-tägigen gleitenden Kursdurchschnitt. Wenn nun der 50-tägige den 200-tägigen gleitenden Kursdurchschnitt von oben durchkreuzt, stellt der resultierende Schnittpunkt das sogenannte „Todeskreuz“ dar. Einige Händler deuten diesen Schnittpunkt als das Platzen einer Blase – in diesem Beispiel Gold – mit dem Ergebnis, dass mit einem erneuten Anziehen der Kurse vorerst nicht zu rechnen ist.

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